Romreise 2026

Bericht von Matthias Breling

 

Anreise
2:00 Uhr nachts. Der Wecker klingelt. Dusche. Frühstück. Um 3:00 Uhr auf der Autobahn – nicht viel Verkehr, es fährt sich gut. Der Kies knirscht unter den Rädern, als ich den Wagen auf den P&R-Parkplatz von Heimsheim lenke. Trotz der frühen Stunde bin ich nicht allein, andere Autos kommen, Heckklappen öffnen sich, Koffer werden gerollt. Übermüdete Leute grüßen, sie sind sich noch fremd. Im Bus finden sie zusammen, eine Reisegemeinschaft entsteht. 4:00 Uhr Stuttgart, weitere Reiseteilnehmer steigen zu. Von da an geht es nach Süden 1.200 km, 17 Stunden. Die Sonne geht auf, die Müdigkeit schwindet, man macht erste Bekanntschaften. Die Reiseleitung begrüßt und stellt das Programm vor. Vorbei am Vierwaldstätter See, 17 km durch den Gotthardt-Tunnel, ein kurzer Blick auf den Lago Maggiore, den Luganer See, den Comer-See und viele Alpengipfel. Über Italien scheint heiß die Sonne. Mailand. Parma. Florenz. Gegen Abend kommen wir in den Dunstkreis der ewigen Stadt. Zunächst aber geht es daran vorbei. Nach Frascati, die Heimat des bekannten Weins. Villa Vecchia ist das Ziel, ein ehemaliges Kloster, heute ein Hotel inmitten von Olivenbäumen mit Aussicht auf Rom. Für 10 Tage bietet es uns ein Zuhause. Ein spätes Abendessen, ein weiches Bett, die Anreise ist überstanden.


Der 1. Tag
Nach dem Frühstück begegnen wir Paulus. In der Bibelarbeit hören wir, wie er nach Rom kam, 2000 Jahre früher als wir. Zur Freude des Hotelpersonals singen wir Loblieder zur Gitarrenbegleitung. Sie wollen gerne filmen. Wir lassen es zu. Hoffentlich verstehen sie die Lieder.
Castel Gandolfo steht auf dem Programm des 1. Tages. Die herrlich gelegene Sommerresidenz des Papstes inmitten des gleichnamigen Örtchens, das uns mit einem ersten italienischen Eis empfängt oder für die, die es deftiger lieben mit einem herzhaften Panini Porchetta. Zu Fuß geht es viele Serpentinen und eine lange, staubige Straße hinunter zum Lago di Albano, Rund und blau liegt er in einer vulkanischen Caldera und lockt zum Bade. Anschließend ein Caffè Freddo im Strandkaffee.
Abends machen wir erste Bekanntschaft mit der Bibelschule „IBEI“ in Finocchio. Auf der Terrasse ist gedeckt, 2 lange Tische – herrliche Rundumsicht in die Landschaft. Wir werden verwöhnt mit gebratenen Zucchini, Bruschetta, Gnocchi mit Steinpilzsoße, großen Schalen voller Obst und einem Tiramisu als Abschluss. Dazu gibt es Wein von den umliegenden Weinbergen. Ein wundervoller Tag, der Lust macht auf mehr.


Rom – Im Zentrum der Macht
Die nächsten Tage sind herausfordernd. Nach der Bibelarbeit geht es morgens mit der Metro mitten hinein in die Millionenstadt. Es gibt viel zu sehen: Forum Romanum: Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens im alten Rom. Colosseum: das größte je gebaute Amphitheater der Welt, hier starben Menschen auf grausame Weise zur Belustigung des Vokes. Carcere Mamertino: das Gefängnis für Paulus und Petrus. Hier nutzte Paulus die relative Ruhe der Gefangenschaft und schrieb seine Briefe an die Epheser, an die Kolosser, an die Philipper und an Philemon - wir zehren noch heute davon. Aurelianische Mauer: die bedeutendste Stadtmauer von Rom, gebaut unter Kaiser Aurelian zum Schutz gegen einrückende Germanen. Heute hält sie uns nicht mehr ab, die Stadt zu betreten. Lateran: Kirche und Palast, seit der Zeit Konstantins I. bis 1309 der offizielle Sitz der Päpste, etwa fünf Kilometer südöstlich des Vatikans auf der linken Seite des Tiber. Büßertreppe: auf ihr ist Jesus zum Verhör zu Pontius Pilatus hinaufgestiegen. Die Heilige Helena brachte sie im Jahre 326 nach Rom. Pilgern, die die 28 Stufen auf den Knien erklimmen, wird von der kath. Kirche ein Ablass gewährt – 9 Jahre weniger Fegefeuer für jede Stufe. Pantheon: ein zur Kirche umgeweihtes antikes Bauwerk auf dem Marsfeld. Ursprünglich war es ein allen Göttern Roms geweihtes Heiligtum. Fontana di Trevi: der berühmte Brunnen auf der Piazza di Trevi vor dem Palazzo Poli. Ein Meisterwerk des Barock, um 1750 gebaut für Papst Clemens XII. Spanische Treppe: eine weltberühmte barocke Freitreppe mit 135 Stufen und fantastischer Aussicht auf die Stadt.
Rom – Schmelztiegel für Menschen aus aller Herren Länder. Antike Gebäude. Kirchen Kultur. Menschen, Menschen, Menschen. Die Sonne brennt, die Wasserflaschen können glücklicherweise an vielen Brunnen aufgefüllt werden. Zwischendurch sorgt auch ein echtes italienisches Eis für Abkühlung. Die Reiseleiter sind sich uneins über die beste Eisdiele: „Das Beste gibt es in La Palma!“, „Du hast ja keine Ahnung, Gioliti macht es viel besser!“ Lass sie streiten, uns schmeckt beides und stärkt wieder für die nächste lange Schlange vor der nächsten Sehenswürdigkeit.
Rom - unendlich viele Eindrücke in wenigen Tagen. Abends bringt uns die Metro zurück ins Hotel. Ein gutes Essen füllt den leeren Magen. Bald danach gibt der Schlaf neue Kräfte für einen neuen Tag: Frühstück - Bibelarbeit – und wieder Rom:
Rom – am Rande der Macht
Quo Vadis Kirche: eine kleine Kirche im Süden Roms. Nach den Apokryphen traf hier der aus Rom flüchtende Petrus auf Jesus, der ihm auf die Frage „Herr, wohin gehst du?“, antwortete „Ich komme nach Rom, um erneut gekreuzigt zu werden“. Daraufhin kehrte Petrus beschämt nach Rom zurück, um sein Martyrium zu erleiden. Katakomben San Sebastiano: ein komplexes System von Tunneln und Grabkammern der frühen Christen in drei Ebenen und 12 km Länge, ausgegraben aus Tuff- und Puzzolanerde von großer Festigkeit. Die Katakomben liegen direkt an der Via Appia Antica. Auf dieser Straße ist Paulus nach Rom gekommen. Wir laufen ein paar Kilometer auf den alten, stellenweise originalen Basaltpflastersteinen, auf denen auch Paulus gegangen ist. Hin und wieder sind noch die tief eingefurchten Radspuren der antiken Wagen zu sehen. Herrliche Zypressen und Pinien beidseits des Weges geben Schatten und machen den Marsch erträglich. Ein Linienbus der Stadt Rom bringt uns in höllischer Geschwindigkeit zurück nach Rom und zum Abschluss des Tages lassen wir es uns in der Pizzeria Sciarra gut gehen.
Golf von Neapel – Vesuv – Herkulaneum - Sorrent
Nach 4 Tagen Rom brauchen wir eine Abwechslung. Am Montag fährt uns unser Bus an den Golf von Neapel.
Am Fuße des Vesuvs liegt das antike Herkulaneum. Ähnlich wie die berühmtere Schwesterstadt Pompeji wurde sie beim Ausbruch anno 79 von den Lavaströmen verschüttet. Die meisten Bewohner konnten sich retten, jedoch blieben Alte und Kranke zurück, deren Skelette uns in den freigegrabenen Bootshäusern anstarren. Viele der Häuser sind erhalten und zeigen oft reich ausgeschmückte Wandgemälde.
Anschließend fährt uns ein Schiff über den Golf von Neapel nach Sorrent. die Stadt auf den Felsen, mitten im Land der Zitronen. Letztere bestimmen das Stadtbild in den Souvenirshops. Zitronen in jeder Form – als Bonbon, als Eis, in Keramik, aus Holz oder alkoholisiert in dem berühmten Limoncello. Malerisch liegt Sorrent auf 50 m hohen Tuffsteinfelsen über dem Meer. Von der Terrasse der Pizzeria schweift der Blick weit über den Golf von Neapel bis zum Vesuv auf der einen Seite und bis zur Insel Capri auf der anderen Seite. Es ist fast Mitternacht, als wir im Hotel ankommen.


Besuch in der Bibelschule
Dienstag – Missionstag in der Bibelschule „IBEI“ in Finocchio. Hier treffen wir auch ein langjähriges Missionars-Ehepaar der WEM, Elisabeth und Nicola Martella. Nicola unterrichtete viele Jahre in der Bibelschule. Er erzählt von ihrer Geschichte und den Schwierigkeiten der Missionsarbeit in Italien. Es wird deutlich, welche große geistliche Not in Italien herrscht, wie der Katholizismus das geistliche Leben lähmt. Die Menschen leiden unter Gesetzlichkeit, Büßertum, Ablasshandel und unter einer konservativen Religion, die versucht, aus eigener Kraft zur Erlösung zu gelangen. Der Katholizismus ist zu einer Gesellschaftsform entartet, die die Menschen einengt. Wer ausscheren will, verliert seine Daseinsberechtigung, hat keinen Zugang mehr zur Gemeinschaft und Familie, wird ausgestoßen und landet im Abseits. Die wenigen evangelischen Gemeinden sind verängstigt und bleiben unter sich. Sie tun sich sehr schwer, ihren Glauben nach außen zu zeigen und sich zu öffnen. Umso schöner zu erleben, wie sich in der Bibelschule junge Italiener ausbilden lassen, um neue Gemeinden zu gründen.
Mit dabei sind auch Marco und Azaria Sie leben und wirken als Missionare in Tivoli und Umgebung. Als junges Ehepaar unterstützen sie Nicola und Elisabeth Martella und sind ihnen eine wertvolle Hilfe.


Besuch im Vatikan
Am letzten Tag vor der Heimreise geht es noch einmal nach Rom. In den Vatikan. Generalaudienz beim Papst. Er grüßt die Reisegruppe vom Christusbund aus Deutschland. Danach gilt es, inmitten von Tausenden von Menschen 3 Stunden zu warten, um den Petersdom zu besichtigen. Für das Vatikanmuseum und die Sixtinische Kapelle bleibt keine Zeit mehr, die Schlangen sind zu lang.


Heimreise
Donnerstag, 4. Juni. 17 Stunden Heimreise, Abschied von liebgewonnen Reiseteilnehmern. Alle sind sich einig: Es war eine anstrengende aber auch eine sehr schöne, interessante und abwechslungsreiche Zeit. Erinnerungen bleiben, Eindrücke einer großartigen Geschichte, einer stolzen Stadt, einer wunderschönen Landschaft, Eindrücke von Kultur und italienischer Lebensart und von Menschen, die sich nach Freiheit sehnen, nach einem Leben in Frieden und Geborgenheit. Darin unterscheiden sie sich nicht von uns allen. Beten wir für sie, dass sie das Evangelium des Friedens hören und erkennen.

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